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Hung Yen, Vietnam, 6. Juli 2026 – Wer sich für ein Informatikstudium interessiert, fragt sich vielleicht: Warum noch Programmieren lernen, wenn KI in Sekunden Code liefert? Diesen Trugschluss hinterfragt Informatikprofessor Andreas Lingnau von der Deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften (DHAW). Auf der International Conference on Advanced Learning Technologies (ICALT) stellte er zwei Forschungsarbeiten zum Thema Lernen mit KI vor. Für eine davon erhielt er gemeinsam mit einem Kollegen von der FH Dortmund den Best Discussion Paper Award. Die zentrale Aussage: KI ersetzt kein fundiertes Informatikwissen.
Der Einsatz von KI in der Lehre ist ein vieldiskutiertes Thema – und schlägt auch international Wellen. So kamen Fachleute vom 6. bis 9. Juli 2026 auf der ICALT in Vietnam zusammen, um über die Zukunft digitaler Bildung zu sprechen. Neben seinen zwei Präsentationen wirkte Andreas Lingnau auf der Konferenz als General Program Chair mit.
Mit dem Best Discussion Paper Award ausgezeichnet wurde seine Arbeit „Are we Human, or are we Prompted? Upskilling and Deskilling through Generative AI in Computer Science Education“. Darin setzt er sich gemeinsam mit Andreas Harrer von der FH Dortmund mit den Chancen und Risiken generativer KI im Informatikstudium auseinander.
KI bietet neue Möglichkeiten für Informatikstudierende und Lehrende. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Studierende Aufgaben lösen lassen, ohne die notwendigen Fähigkeiten selbst zu entwickeln. Vor diesem Deskilling, also dem Verlust oder der mangelhaften Entwicklung wichtiger Kompetenzen durch KI, warnt Andreas Lingnau:
„Von uns Lehrenden wird erwartet, generative KI sowohl in die Lehrmethoden als auch in die Lehrpläne zu integrieren. Dabei wird deutlich, dass eine unreflektierte Nutzung negative Folgen für die Informatikausbildung haben kann. Zahlreiche Studien zeigen Beeinträchtigungen der Kompetenzentwicklung bei unüberlegtem Einsatz in der Lehre.“
Denn genau diese schwindenden Fähigkeiten helfen Informatikfachkräften dabei, KI-Code und -Lösungen kritisch zu beurteilen. In seinem zweiten Konferenzbeitrag „A Technical Framework for AI-Supported Feedback in Automated Programming Tasks“ stellte Andreas Lingnau dazu ein technisches Konzept für KI-gestütztes Feedback beim Programmieren vor. Das Ziel: Studierende dabei unterstützen, KI sinnvoll einzusetzen – und gleichzeitig ihre eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Als Professor für Informatik und Studiengangsleiter an der DHAW erforscht Andreas Lingnau, wie digitale Technologien das Lernen unterstützen:
„Ich beschäftige mich seit längerem mit der Frage, wie Studierende im Umgang mit KI dazu angeleitet werden können, übermäßiges Vertrauen, unkritische Nutzung und unrealistische Selbsteinschätzung zu vermeiden.“
In der Online-Lehre an der DHAW setzt er bereits KI-bezogene Aufgaben wie Refute Problems ein, bei denen Studierende fehlerhaften Programmcode analysieren. Aufgaben wie diese spiegeln die spätere Realität von Entwickler:innen im Berufsleben wider. Darüber hinaus engagiert er sich in der IEEE Technical Community on Learning Technology.
Macht KI ein Informatikstudium also überflüssig? Die Forschungsergebnisse zeigen: Eigenes Fachwissen bleibt unabdingbar. Informatik-Fachkräfte von morgen müssen in der Lage sein, KI-generierte Lösungen zu verstehen, zu prüfen und weiterzuentwickeln. Genau dafür steht Andreas Lingnaus Lehre.
An der DHAW fließen solche Erkenntnisse in ein anwendungsorientiertes Fernstudium ein, das Studierende auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet:
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